Montag, 8. Februar 2010
Résumé von vier gelungenen Turniertagen

Das internationale Hallen-Springturnier CSI** badenclassics begeisterte in Offenburg zum dritten Mal in Folge Teilnehmer und Besucher. Zum ersten Mal in der noch jungen Turniergeschichte hatten die Zuschauer am Sonntagnachmittag zum Großen Preis der Südwestbank Schwierigkeiten, einige der wenigen noch freien Tribünensitzplätze zu ergattern.

Ein wenig überschattet wurde das Turnier im Vorfeld von einigen kurzfristigen Absagen von prominenten und erfolgsversprechenden Teilnehmern. Der mehrfache Olympiasieger Franke Sloothaak (Borgholzhausen) musste sein Kommen wegen einer noch nicht ausgeheilten Trittverletzung absagen. Auch der Schweizer Urs Fäh ließ sich wegen eines eingeklemmten Nervs entschuldigen. Der amtierende Europameister Daniel Etter (SUI), der zur Auftaktpressekonferenz am 26. Januar seine Teilnahme noch fest verkündete, wurde kurzfristig zum 5-Sterne CSI nach Bordeaux beordert, weil es am Wochenende zuvor in Zürich für ihn nicht nach Plan lief und die Weltcup-Teilnahme wegen noch ausstehender Punkte in Gefahr war. Trotz der fehlenden Namen bekamen die Besucher erstklassigen Spitzensport zu sehen.

Im Großen Preis gingen 40 qualifizierte Teilnehmer über den von Christa Jung ausgetüftelten Parcours. Über anderthalb Stunden lang erlebte Offenburg Springsport vom Feinsten, und es hätte nicht spannender werden können: Acht Teilnehmer schafften es mit fehlerfreien Umläufen ins Stechen. Emanuele Gaudiano (ITA) legte gleich als erster Reiter im Stechparcours mit seinem 13-jährigen Hengst Uppercut DS eine flotte Nullrunde vor. Janika Sprunger (SUI), die vielversprechende Nachwuchsreiterin aus der Schweiz schaffte mit ihrem 11-jährigen Heartbreaker-Sohn Salvador ebenfalls den Stech-Kurs ohne Strafpunkte und war lediglich 6 Zehntel langsamer als Gaudiano. Auch Sarah Nagel-Tornau (Attendorn), die seit 2008 zu den erfolgreichen Stammgästen in Offenburg gehört, blieb fehlerfrei. Ihr 14-jähriger Darco-Sohn Udarco konnte jedoch mit dem vorgelegten Tempo der bisherigen Konkurrenten nicht mithalten.  Alle weiteren Stechteilnehmer kassierten Fehlerpunkte. Ganz unglücklich traf es den ersten badenclassics-Champion Maikel van der Vleuten (NED) und seine KWPN-Stute Parmala Douche: Das Paar war extrem schnell und fehlerfrei unterwegs, bis zum letzten Sprung: Das Offenburger Publikum wurde schon unruhig auf den Sitzen und war bereit zum Applaudieren, da verfehlte van der Vleuten aus hohem Tempo die Absprungdistanz und krachte förmlich in den finalen Steilsprung, dass die Stangen nur so flogen. Trotzdem war in der Endwertung für van der Vleuten noch ein beachtlicher fünfter Platz drin.

Als letzter Starter im Stechen ritt der Vorjahreschampion Hugo Simon (AUT) ein, schon hier spendeten die Massen dem Publikumsliebling frenetischen Applaus. Im Februar 2009 hatte er relativ leichtes Spiel bei drei Kollegen im Stechen, die jedoch alle Fehlerpunkte kassiert hatten. Er musste also lediglich eine Nullrunde für den Sieg hinlegen, was dem 67-jährigen Profi auch gelang. Dieses Mal musste der Routinier jedoch, wie er anschließend selbst zugab, „alles geben“, um nicht nur fehlerfrei zu bleiben, sondern auch noch die flotten Zeiten von Gaudiano, Sprunger und Nagel-Tornau zu unterbieten. Bis zur Kombination lief alles planmäßig. Im Anritt auf den Eingangsoxer kam seine 13-jährige Belgierin Ukinda für den Bruchteil einer Sekunde zum Stocken, so dass der Sieg schon dahin schien. Der kämpferische Routinier reagierte jedoch blitzschnell, gab ordentlich Bein, Ukinda schien in der schwierigen Kombination über sich hinaus zu wachsen, und das Paar galoppierte unbeschadet abermals zum Sieg im Großen Preis der SÜDWESTBANK! Der zweite Smart-Pkw für den Stall Simon war also gesichert und das Offenburger Publikum konnte sich vor Begeisterung und Freude über Simons Sieg nicht mehr auf den Plätzen halten. 

Ein weiteres sportliches Highlight ganz anderer Natur boten die Voltigierer, die 2010 erstmals mit einem Kürwettkampf in zwei Umläufen ins badenclassics-Programm eingebunden waren. Fünf international erfolgreiche Teams gingen an den Start. Obwohl Kai Vorbergs Team Bleyer von der JRG Köln wegen einer Knieverletzung des tragenden Untermannes Bamdad Memariam kurz vor Turnierbeginn absagen musste, waren die Küren der teilnehmenden Gruppen eine Augenweide und eine perfekte Werbung für den Voltigiersport. Der verletzte Kölner, der mit seiner Partnerin Laura Passon Europameister im Doppelvoltigieren ist, unterstützte das Debüt der Voltigierer jedoch trotzdem, indem er gemeinsam mit Patric Looser, Europa- und Vizeweltmeister im Einzelvoltigieren, die Küren der Teilnehmer sachkundig kommentierte. Im ersten Durchgang führte das Team Masterhorse Leonberg, mit wenigen Zählern Vorsprung vor den Europameistern, dem Team Lütisburg. Letztere waren selbst erstaunt von ihrer guten Leistung, denn im Vorfeld hatten die Schweizer mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sie fast zur Absage zwangen. Sie mussten wegen Verletzung und Ausfall einiger Stammvoltigierer auf Ersatzleute zurückgreifen. Zu allem Unglück zog sich das EM-Pferd zwei Tage vor der Anreise nach Offenburg einen Infekt zu, so dass der schon 20-jährige Figaro den ausgefallenen Kollegen vertreten musste, obwohl er normalerweise nur Einzelvoltigierer trägt. Die etwas vereinfachte Kür der Lütisburger klappte trotzdem perfekt, am Sonntag sogar noch besser als im ersten Durchgang, so dass sie als strahlende Sieger der ersten Station der Voltigier Trophy Süd nach Hause reisen konnten.  Der zweite Platz ging an das Team Masterhorse Leonberg. Sie konnten ihre gute Form des ersten Durchgangs am Sonntag nicht ganz erhalten, da ihr Pferd Leon zu Beginn etwas Nervosität an den Tag legte, was sich ein Stückweit auf die Voltigierer übertrug.  Bronze gab es für die französischen Gäste, Team Ecuries de la Cigogne aus Frankreich. Ihr Schimmel-Wallach Watriano wurde für seine konstant schwungvolle Galoppade mit den besten Pferdenoten belohnt und so konnte sich das für die Weltreiterspiele 2010 nominierte Team vom vierten Platz im Zwischenranking um einen Platz nach vorne arbeiten.  Vierter wurde das Team Wildegg aus Österreich, die aus der Nähe von Wien eine Anreise von knapp 1000 Kilometern in Kauf genommen hatten.  Etwas Pech hatte die zweite Gruppe aus Baden-Württemberg – Pegasus Mühlacker. Ein Dreierblock stürzte gegen Ende des ersten Umlaufs ab. Alles war zwar unspektakulär und den versierten Athleten ist nichts passiert. Trotzdem kostete dies dem Team jede Menge Punkte, die sie auch mit ihrer durchweg guten Darbietung am Sonntag nicht mehr wettmachen konnten. 

Dass mit dem Voltigieren eine neue Disziplin in die Offenburger Hallen geholt wurde, war eine Entscheidung, die von allen Verantwortlichen als wahre Bereicherung begrüßt wurde. „Das Voltigieren passt zu uns und tut der Veranstaltung gut. Das ist ein eleganter Sport, der noch eine andere Klientel und eine tolle Stimmung in die Halle bringt,“ so Turnierchef Gotthilf Riexinger bei der abschließenden Pressekonferenz.  Dass dieses Konzept aufgegangen ist, zeigen die Besucherzahlen: Wo im vergangenen Jahr rund 5.000 Zuschauer auf den Tribünen Platz genommen hatten, sprach Messeleiter Werner Bock dieses Mal von einer Rekordzahl von 7.000 Besuchern über die vier Turniertage!  

Auch die Reiter äußerten sich durchweg zufrieden. Franz-Josef Dahlmann lobte in der Abschlusspressekonferenz stellvertretend für die Aktiven die reibungslose Organisation und die idealen Bedingungen, die dieses Jahr weiter perfektioniert wurden und für Ross und Reiter ein ausgesprochen hohes Niveau boten. Dass er mit den Voraussetzungen bestens zurecht kam, bewies er mit seinem Sieg im Preis des Gestüts Dobel, der zweiten Qualifikation zum Finale am Sonntag, mit dem 14-jährigen Westfalen ECL Lunatic, der bei der Premiere 2008 auch Otto Becker schon zu einem Sieg im Zwischenfinale getragen hatte. Die von Herzen kommenden Glückwünsche nebst Küsschen überbrachte Dahlmanns Ehefrau Kate persönlich als Vertreterin des Gestüts Dobel, seit Beginn einer der Hauptsponsoren und Förderer der badenclassics. 

Die Überlegungen, wie es 2011 mit dem 2-Sterne-CSI weiter gehen soll, laufen bereits. Der Vertrag mit dem Hauptsponsor SÜDWESTBANK läuft noch bis 2011. Vorstandsmitglied Wolfgang Jung betonte in der Pressekonferenz, dass sich die bodenständige Privatbank mit den badenclassics bestens aufgestellt fühle und nach heutigem Stand der Planung keinen Anlass sehe, den im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag nicht über 2011 hinaus zu verlängern.  Weiterhin soll das Prüfungsangebot soll etwas umgeschichtet werden, so dass auch in der zweiten Qualifikation zum Finale, die traditionsgemäß am Samstagabend mit Stechen ausgetragen wird, Punkte für die Weltrangliste vergeben werden können. Natürlich träumt man auch von einer Dotierungserhöhung und 3-Sterne-Status. Für Riexinger ist dies momentan jedoch noch Zukunftsmusik, getreu dem Motto „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Man wolle nichts überstürzen und sich lieber langsam und überlegt nach oben tasten, ohne voreilig nach den Sternen zu greifen.